Ehrung von Hendrikus Colijn im Romantik Berg- und Jagdhotel "Gabelbach" in Ilmenau / Thüringen 2006

"In der Zukunft werde ich alle meine alten Koffer öffnen, um zu sehen, wer ich war."
[Cees Nooteboom. Nootebooms Hotel]


Am Freitag, 6. Oktober, 15 Uhr, wird am Romantik Berg- und Jagdhotel "Gabelbach" in Ilmenau ein Gedenkstein für den ehemaligen Premierminister des Königreichs der Niederlande, Dr. Hendrikus Colijn, eingeweiht. Damit wird an die Zeit der Internierung des Staatsmannes von 1942 bis 1944 auf "Gabelbach" erinnert. Deutsche Gäste sind unter anderen die Präsidentin des Thüringer Landtags, Professor Dagmar Schipanski; der Landrat des Ilm Kreises, Dr. Benno Kaufhold; der Rektor der Technischen Universität Ilmenau, Professor Peter Scharff sowie die Stellvertreterin des Oberbürgermeisters der Stadt Ilmenau, Ursula Nirsberger. Aus den Niederlanden werden erwartet: die Urenkelin Hendrikus Colijns, Madelyn van Rijckevorsel sowie Professor Jan de Bruijn und Dr. Herman Langeveld, Vrije Universiteit Amsterdam, Historisch Documentatiecentrum voor het Nederlands Protestantisme, Herausgeber der Biographie Colijns.

Seitdem der Nürnberger Hotelier Karl-Dieter Gaydoul nach dem Ende der DDR das über 40 Jahre von der SED hermetisch abgeschirmte Haus übernommen hat, wurde "Gabelbach" zu einem führenden Hotel in den neuen Bundesländern. Der umtriebige Mann konnte dabei auf jahrzehntelange Erfahrungen im Ausland zurückgreifen, wo er in führenden Positionen der internationalen Hotellerie tätig war und eine Reihe neuer Hotels federführend entwickelt hat.

Von Anfang an gehört es zum Konzept der Hotelführung auf dem "Gabelbach", nicht nur Spitzengastronomie und -service am malerischen nordöstlichen Hang des Thüringer Waldes anzubieten, sondern ganz bewusst kulturell-künstlerische und politische Akzente in und mit seinem Haus zu setzen. Tradition und Pflege des lokalen Erbes gehen dabei häufig Hand in Hand mit internationalen Ambitionen. Die Auszeichnungen des Hauses können sich sehen lassen!

Naturgemäß sind auch 16 Jahre nach der politischen Veränderung im "Grünen Herzen Deutschlands" bei weitem noch nicht alle Schätze der reichen Kulturlandschaft gehoben. Noch sind nicht alle überraschenden Wendungen der wechselvollen Historie dieses Landstrichs entdeckt.

Ganz im Sinne der bewussten internationalen Einbindung des Hotels "Gabelbach" ist es Karl-Dieter Gaydoul nun darum zu tun, einen hier bislang nahezu unbekannten europäischen Politiker aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu ehren: Hendrikus Colijn - Premier der Niederlande in den Jahren 1925 bis 1926 und 1933 bis 1939.

Allein der Umstand, dass ein in diesen schicksalsschweren Jahren so bedeutender Politiker unseres Nachbarlandes hier, im eher provinziellen Ilmenau verstorben ist, drängt regelrecht nach mehr Informationen über diesen Mann und über die Umstände seines Lebens und Sterbens.

Colijn: am 22. Juni 1869 in Harlemmermeer geboren und an den Folgen eines Herzanfalls am 18. September 1944 auf "Gabelbach", dem Ort seiner Internierung durch die deutschen Nazis, verstorben - zunächst klammheimlich auf dem kleinen Ilmenauer Friedhof beigesetzt - erst am 5. Juni 1947 kommt er in niederländischer Heimaterde zur nunmehr letzten Ruhe.

Helena, die Ehefrau Hendrik Colijns hat ihr Leben und auch diese Zeit in einem Tagebuch aufgeschrieben, das in den Niederlanden als Buch erschienen ist /1/. Mit eben diesem Buch in der Hand trat ein niederländischer Gast auf den "Gabelbach"-Chef Karl-Dieter Gaydoul zu, sprach mit ihm über den berühmten Landsmann, der hier im Thüringer Wald auf so tragische Weise sein Leben lassen musste.

Gaydouls Interesse war sofort geweckt, er ging auf Spurensuche im Archiv seines Hotels. Außerdem setzte er sich mit der Tochter Karin in Verbindung, die am Wageningen Universität&Research Zentrum, der größten Universität Europas auf dem Gebiet der Life Sciences, ihren Abschluss gemacht hat, mit einem niederländischen Landwirt verheiratett und im niederländischen Staatsdienst beschäftigt ist.

"Saevis tranquillus in undis" - Ruhig inmitten der tosenden Wellen [Wahlspruch von Colijn, den er vom Prinzen Wilhelm von Oranien übernommen hatte und 1934 dem Programm seiner Partei, de Anti Revolutionäire Partij, ARP voranstellte]

Wenn Karl-Dieter Gaydouls Absicht Wirklichkeit wird und Hendrik Colijn fast genau 62 Jahre nach seinem Tod endlich sowohl eine angemessene Würdigung als auch eine breitere öffentliche Aufmerksamkeit erhält, dann könnte dieses Ereignis ein ganz eigenes, ganz wertvolles Mosaiksteinchen im Prozess des europäischen Zusammenfindens werden.

Über ebendiese Chancen wird in den kommenden Wochen genauer zu befinden sein. Kommunikationswege aus der Thüringer Provinz zu den niederländischen Nachbarn sind zu knüpfen.

Die geistig-politische Orientierung Colijns (immerhin stand er der ältesten bürgerlich-konfessionellen Partei unseres Nachbarlandes vor und prägte sie wesentlich) legt nahe, Interesse für den Mann, sein Werk und natürlich für das aktuelle Ereignis auf "Gabelbach" in politischen und kirchlichen Kreisen der Niederlande, der Bundesrepublik, Thüringens zu wecken.


Dr. Juliane Rauprich


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Hendrikus Colijn
Dr. Hendrikus Colijn während seiner Zeit als Premierminister des Königreichs der Niederlande

HendrikusColijn und Ehefrau Helena
Hendrikus Colijn mit seiner Ehefrau Helena während der Internierung auf Gabelbach.
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